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23. Januar 2010 - Hannah Point

Als Anna mich gegen 6:00 Uhr zur nächsten Eiswache weckt, sind wir schon durch die Morton Strait zwischen Livingston Island und Snow Island hindurch und schauen aus südlicher Richtung auf die Südshetlands. Es ist bereits richtig hell. Grau und unwirtlich liegt die eisige Küste von Livingston vor mir. Es ist eine neue, ganz andere Welt, als ich sie bisher aus meiner Lebenserfahrung kenne. Alles ist neu, unberührt - mit einer gewissen Scheu schaue ich auf die gewaltige Kulisse aus Eis und Fels.

In geringem Abstand zum Schiff springen ein paar Pinguine im Wasser. Daß es Pinguine sind, erfahre ich erst später, zunächst hielt ich die Tiere für eine seltsame Delphinart.

Noch während meiner Eiswache werfen wir den Anker bei Hannah Point - wir sind in der Antarktis angekommen! Hannah Point hat seinem Namen von dem Robbenfängerschiff Hannah aus Liverpool, das unter Kapitän James Johnson am 25. Dezember 1820 hier Schiffbruch erlitt.

Nach einem kräftigen Frühstück gehen wir an Land. Millionen Pinguine, tausende Skuas, Albatrosse, Riesensturmvögel, hunderte See-Elefanten, dazwischen vereinzelt auch ein paar Krabbenfresser- und Weddellrobben. Sogar etwas Grün gibt es auf dem vulkanischen Sand und Fels. Anfänglich begegnen wir dieser neuen Welt mit großer Ehrfurcht, trauen uns kaum, sie mit unserer Anwesenheit zu entweihen. In den nächsten zwei Wochen wird das Land uns vertraut und damit gewöhnlicher werden.

Esels- und Zügelpinguine machen einen großen Lärm, sie nisten bunt durcheinander. Die Kleinen sind noch fest im Nest, im Verlaufe unseres Törns werden sie die Nester verlassen und anfangen, die Welt zu erkunden. Riesensturmvögel halten sich in Gruppen am Strande auf, reißen Fleisch aus einer dicht am Strand treibenden toten Robbe. Sie sind nicht nur dem Namen nach, sondern tatsächlich riesig. Den Fußabdruck eines solchen Vogels haben wir mit gut 15 cm in Länge und Breite vermessen.

Die See-Elefanten liegen in Gruppen dösend zusammen. Hin und wieder erheben sich zwei Männchen zu kleinen Händeln. Wenn auch kein Blut fließt, noch nicht einmal Fetzen fliegen - hier werden wohl eher Machtpositionen demonstriert als durchgesetzt - so ist es doch ein imposanter Anblick, wenn die See-Elefanten ihre hochgereckten massigen und tonnenschweren Körper aneinander schlagen. Bei jedem Schlag läuft eine Stoßwelle durch die dicke Blubberschicht. Die Oberkörper sind steil aufgerichtet, die Köpfe in den Himmel gestreckt und die roten Mäuler weit aufgerissen. Und das alles geschieht fast lautlos.

Etmal: 114 sm (Gesamt: 577 sm)

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